Delegation des Dekanats in Ostmähren

Seit vielen Jahren besteht eine lebendige Partnerschaft des evangelischen Dekanats Sulzbach-Rosenberg mit dem Seniorat der Böhmischen Brüder im ostmährischen Vsetín. Auch zu ihrer diesjährigen Herbstsynode hatten die Böhmischen Brüder ihre oberpfälzischen Partner eingeladen.
Der Sulzbacher Stadtpfarrer Dr. Roland Kurz, Pfarrer Klaus Eberius aus Rieden und Jugenddiakon Tim Saborowski waren deshalb in Tschechien, um die seit langem bestehenden Kontakte zu vertiefen und sich mit ihren dortigen Amtsbrüdern auszutauschen. Dabei wurde auch der nächste Besuch einer tschechischen Delegation in hiesigen Dekanat vom 19. bis 23. März 2012 vorbereitet.  Kindergartenleiterinnen, Vertreter der Vsetíner Stadtbibliothek und Pfarrer werden ihre hiesigen Partner treffen.
Der wichtigste Programmpunkt der Reise war die Teilnahme an der Synode. Ein heiß diskutiertes Thema war die künftige Personalpolitik. Bisher werden nämlich die Pfarrer vom Staat bezahlt. Das ist der Ausgleich dafür, dass die Kirchen bei der Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts enteignet wurden. Jetzt wird den Kirchen der Besitz zurückübertragen, dafür müssen sie künftig selbst für die Gehälter aufkommen. Deshalb müssen in Zukunft bis zu 50% der Stellen eingespart werden. „Verglichen damit“, stellte Pfarrer Dr. Kurz fest, „sind die Stelleneinsparungen bei uns wirklich erträglich.“
Auf der Synode haben sich neue Möglichkeiten aufgetan, um die Partnerschaft in Zukunft auf eine noch breitere Basis zu stellen. Diakon Saborowski nahm Kontakt zum Pfarrer der Gemeinde Jablůnka auf, der in seiner Gemeinde eine Jugendarbeit aufbaut. Die Jugendgruppen, stellten sie fest, könnten sich später einmal besuchen.
Auch in der Kirchenmusik ergaben sich neue Berührungspunkte. Der Gosplechor „Voices of Joy“ und der Posaunenchor haben die ostmährischen Partner schon besucht, auf der tschechischen Seite aber bisher keinen Partner gefunden, weil dort die Kirchenmusik keine so bedeutende Rolle spielt wie hier. Nun trat auf der Synode ein kürzlich gegründeter Handglockenchor auf. Wie die deutsche Delegation erfuhr, stammt die Tradition dieses Chors aus Polen, wo die Böhmischen Brüder Exilgemeinden hatten. Jeder der zehn Spieler zwischen 12 und 25 Jahren läutete zwei oder drei Handglocken. So erklangen tschechische Weisen und auch ein Lied polnischen Ursprungs. Dieses Jugendmusikensemble könnte mit den Jungbläsern des Dekanats zusammengebracht werden.
Wichtig sind auch die Begegnungen mit den Gemeinden. „Sie erkennen an, dass wir kommen, obwohl es so weit ist“, meinte Dr. Kurz. Er predigte deshalb am Sonntag in Valašské Meziříčí (Wallachisch Meseritsch), Pfarrer Eberius in Kroměříž (Kremsier).
„Das Wichtigste sind immer die persönlichen Gespräche außerhalb des Programms. Im kleinen Kreis kommt man sich näher als bei offiziellen Terminen“, berichtete Dr. Kurz. Die drei Deutschen verbrachten einen Abend mit den Pfarrern Daniel Heller und Ivan Ryšavý, den tschechischen Partnerschaftsbeauftragten. Hier erfuhren sie, dass derzeit viel über den Umgang mit homosexuellen Pfarrern gesprochen wird. In Ostmähren hat die Kirche noch keine einheitliche Linie, anscheinend wurde das Problem bisher totgeschwiegen. Bedingt wird dies auch durch einen anderen Kirchenaufbau. In Bayern ist der Dekan Dienstvorgesetzter, dort hat er wenig diziplinarische Möglichkeiten. Dafür hat die Kirchengemeinde großen Einfluss. Hinzu kommt, dass es in Tschechien keine innerkirchliche Gerichtsbarkeit gibt. Eberius und Dr. Kurz erläuterten ihren tschechischen Kollegen, welche Regelungen hier für homosexuelle Pfarrer bestehen. Besonders interessierten sich Heller und Ryšavý für die theologische Begründung.
Pfarrer Dr. Kurz fasste seine Eindrücke von der Reise zusammen: „Ein Besuch bei unseren Freunden in Ostmähren ist immer eine Bereicherung.“
Melanie Schwarz