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Verfasst von Milton Jandrey am 29 April, 2011 - 02:36.
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Im Jahr 2011 feiert die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasiliens (IECLB) das 50jährige Jubiläum ihrer kontinuierlichen Missionsarbeit mit indigenen Menschen. Begonnen hatte diese Arbeit 1961 in Guarita, dem indigenen Gebiet, zu dem unser Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg seit 1976 über den Indianermissionsrat COMIN der IECLB eine Partnerschaft unterhält.
Die erste Maßnahme 1961 in Guarita war die Gründung einer Schule („Clara Camarao“) durch Pfarrer Norberto Schwantes. Sie sollte die Grundlage für die Ausbildung indigener Lehrer sein. 1968 kam die deutsche Pädagogin Dr. Ursula Wiedemann nach Guarita und erstellte ein Alphabet für die Kaingang-Sprache. Diese hatte bisher nur mündlich existiert. Zu den ersten 19, nun bereits zweisprachig ausgebildeten Absolventen dieser Schule aus dem Volk der Kaingang gehörte auch die damals 18jährige, Gilda Kuitá. Nach dem Schulabschluss begann sie in ihrem heimatlichen, etwa 500 km nördlich von Guarita gelegenen Kaingang-Gebiet namens Apucaraninha andere Indigene in der Kaingang-Sprache zu alphabetisieren. Nach und nach wurden weitere, von Kaingang bewohnte Gebiete, mit einbezogen.
Ihr 39 Jahre währendes Engagement wurde nun durch die Verleihung des Nationalen Verdienstordens gewürdigt. Zusammen mit zehn anderen Frauen aus dem Bildungs- und Erziehungsbereichs wurde ihr diese hohe Auszeichnung im April durch Dilma Rouseff, die seit 1. Januar 2011 im Amt befindliche Präsidentin Brasiliens, in einer Feierstunde im Präsidentenpalast der Hauptstadt Brasilia überreicht.
In ihren Dankesworten betonte Gilda Kuitá die Notwendigkeit, gerade den im Süden Brasiliens gelegenen indigenen Gemeinschaften, die über Jahrhunderte besonders starken Verfolgungen ausgesetzt waren und aufgrund der damit verbundenen Konflikte auch heute noch geringes Ansehen bei der weißen Bevölkerung haben, durch Alphabetisierung in ihrer Muttersprache zur Identitätsfindung zu helfen. Trotz bereits erzielter deutlicher Fortschritte gibt es aber noch sehr viel zu tun. Gilda führt als Beispiel die Verhältnisse im indigenen Gebiet Apucaraninha, in dem sie immer noch wohnt und arbeitet, an. Die von 340 Kindern besuchte Schule hat nach wie vor kein elektrisches Licht im Gebäude, die Verpflegung in der Ganztagsschule ist unzureichend und wird oft zu spät angeliefert. Die Zufahrtsstraßen für die Schulbusse sind bei Regen kaum passierbar, so dass der Unterricht zeitweise ausfallen muss. Die Anerkennung, die Gilda Kuitá jetzt durch die Staatspräsidentin erfahren hat, scheint hier Wunder zu wirken. Kommune und Bundesland, die sich die Schuld an den Missständen gegenseitig zuschieben, haben nun kurzfristige Lösungen zugesagt.
Ein anderes, von Gilda angeprangertes, wohl nur mittelfristig lösbares und sich auch für Guarita stellendes Problem ist die ungenügende Versorgung der Kaingang-Kinder mit Schulmaterial, welches die Geschichte und Kultur der Indigenen berücksichtigt. Auch fehlen Computer, mit denen die Kinder an die moderne Zeit herangeführt werden können. Es bleibt abzuwarten, welche Haltung die neue Regierung Brasiliens grundsätzlich den Indigenen gegenüber einnimmt. Gelegenheit, dies selbst zu erkunden und zu bewerten, wird sich für uns noch in diesem Jahr ergeben. Nach fünfjähriger Pause wird nämlich im Oktober wieder eine Delegation aus unserem Dekanatsbezirk zum Partnerschaftsbesuch nach Brasilien reisen. Die Gruppe wird aus Pfarrerin Veronika Zieske (Amberg), Pfarrer Milton Jandrey (Schwandorf), Diakon Bernd Deyerl und Dr. Adolf Rank (beide Sulzbach-Rosenberg) bestehen.
Informationen von Pfr. Sandro Luckmann
Text: Dr. Adolf Rank
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